Woher weiß ich, dass ich schreiben kann?
Oder noch viel wichtiger: Woher weiß ich, dass ich schreiben WILL?
Glaubt mir, diese Fragen habe ich mir im Laufe der letzten drei Jahre, seit ich dieses Projekt ernsthaft verfolge, nicht nur einmal gestellt.
Erstere: Ständig. Meistens dann, wenn ich in einem neuen Kapitel hänge und die Sätze sich anfühlen, als würde ich mit wackeligen Händen versuchen, aus schlichten Bauklötzen ein Schloss zu bauen. Vielleicht möglich, aber mühsam. Und die Schönheit sieht man erst, wenn man ein paar Schritte zurückgegangen ist und es in seiner Gänze mit etwas Abstand betrachtet. Oder, wenn ich mal wieder ein wirklich gutes Buch lese und unweigerlich ins Vergleichen komme. Muss gar nicht mal ein Buch sein – ein gut formulierter Onlinebeitrag reicht, und diese nörgelige Stimme meldet sich: „Schau mal, wie schön die schreibt! Das kannst du niemals! Warum verschwendest du deine Zeit damit, es zu versuchen?“
Mittlerweile habe ich gelernt, mit dieser Stimme einigermaßen umzugehen. Sie nervt mich zwar immer noch regelmäßig, aber ich versinke nicht mehr ganz so tief im „Was mache ich hier eigentlich“-Loch. Was hilft, wenn der Gedanke an den großen romantischen Schreibtraum nicht mehr ausreicht, ist schlicht Pragmatismus. Oder nennt es von mir aus Sturheit. Ich habe mir dieses Ziel in den Kopf gesetzt, Anno fertig zu schreiben. Und das mache ich, auch wenn es noch so lange dauern wird (und dabei noch viele Krisen und Überarbeitungsrunden auf mich warten).
Die zweite Frage ist da schon etwas kniffliger zu beantworten. Sie geht natürlich mit den Zweifeln am Können Hand in Hand, und blubbert besonders dann an die Oberfläche, wenn es gerade mal wieder schwierig ist. Möchte ich das wirklich weiter durchziehen? Ungefähr das erste Jahr lang lang habe ich es mir gar nicht erlaubt, diese Frage zu stellen. Der Traum vom Schreiben war schließlich schon immer da gewesen, und jetzt lebte ich ihn endlich (zumindest in Teilzeit), also nix da mit Hinterfragen. Irgendwann habe ich aber erkannt, dass die Frage ja trotzdem da ist, ob ich sie hören möchte oder nicht. Und beim Zuhören habe ich dann erkannt, dass sie bei Licht betrachtet gar nicht das schreckliche Monster ist, das ich erwartet habe. Irgendwie bin ich wohl davon ausgegangen, dass dieser Pfeiler meines Seins – die Leidenschaft des Schreibens – einfach unter mir wegbröckelt, sobald ich auch nur den Hauch des Gedankens zulasse, damit aufzuhören. Aber das passierte nicht. Schon jetzt, während ich das tippe, fühlt sich der Gedanke total seltsam an. Mit dem Schreiben aufhören? Nie im Leben! Das ist mir inzwischen klar, aber es war gut, den Zweifeln Raum zu geben. Um dann auch die Antwort zuzulassen: Ich schreibe, weil es mir Freude bereitet. Weil es mein Weg ist, um dieser Welt etwas zurückzugeben: Lesefreude und Inspiration.

Ich war gerade drei Wochen im Urlaub und habe den Laptop bewusst zu Hause gelassen. Wenn man an vier Tagen in der Woche immer noch einem Hauptjob nachgeht, kann es verlockend sein, den Urlaub direkt zu Schreibzeit zu machen. Oder, so habe ich es im letzten Jahr gemacht: Zwar Urlaub machen, aber immer die Option im Hinterkopf behalten, schreiben zu können, wenn man möchte. Leider bringt das unweigerlich auch Druck mit sich. „Eigentlich sollte ich doch.“ Und dann schlechtes Gewissen. „Warum habe ich denn nicht.“ Also diesmal: Urlaub. New York war da ein dankbares Ziel. Denn, wenn man die Stadt, wie ich, zum ersten Mal besucht, ist da erstmal viel Überwältigung. Unfassbar viele Eindrücke, die verarbeitet und sortiert werden möchten. Natürlich auch viel Inspiration, aber ich war sehr froh, diese nicht direkt in Produktivität umsetzen zu müssen. Sondern sich einfach treiben zu lassen von der unglaublichen Energie dieser Stadt, die ohnehin meine gesamte Aufmerksamkeit forderte. Und das gab auch die Möglichkeit, gedanklich Abstand zu gewinnen. Zum Buchprojekt einerseits – da muss ich heute bestimmt erst wieder langsam reinfinden. Aber andererseits auch zum Schreiben als solches. Und jetzt, da ich wieder da bin, darf ich feststellen: Ja, ich möchte schreiben. Es kribbelt schon eine ganze Weile wieder in den Fingern. Mit dem nötigen Abstand sind Ideen zur Story hochgekommen, auf die ich, über beide Ohren in der Geschichte, nie gekommen wäre. Aber auch der selbst verordnete Schreibentzug hat seine Wirkung getan: Die Lust am Schreiben ist mit voller Wucht zurück. Ich möchte mich an den Laptop setzen, in der Geschichte versinken, Wörter aneinanderbasteln und meine Kreativität endlich wieder in die Bahnen zu lenken, in denen sie am allerliebsten fließt.
Am Freitag sind wir aus New York zurückgekommen, und der Jetlag hat in den letzten Tagen alles ein wenig gedämpft. Aber heute geht es endlich wieder los: Der Schreibmontag ist zurück, und ich kann es kaum erwarten, loszulegen. Kaffee, Notizblock und Laptop liegen bereit. Auf geht’s zum Gedankenschlösser bauen.

