ENDE
Obwohl ich gerade diese vier magischen Buchstaben unter den letzten Satz getippt habe, fühlt es sich nicht nach Ende an. Das könnte daran liegen, dass es noch lange nicht das Ende ist. Denn „Rohfassung“ ist für dieses Dokument fast ein Euphemismus.
An diesen Punkt zu kommen, war harte Arbeit. Irgendwann zwischendurch habe ich mal angefangen, meine Schreibzeit zu tracken, und irgendwann auch wieder damit aufgehört. Aber so viel kann ich sagen: Seit Oktober 2020, also seit fast drei Jahren, saß ich zumindest in den meisten Wochen einige – manchmal auch viele – Stunden an dieser Geschichte. Und jetzt steht das Grundgerüst. Je länger ich geschrieben habe, desto länger wurde parallel auch die Liste der Notizen für die Überarbeitung. Aber ich wusste immer: Für den Feinschliff muss erstmal die Basis stehen. Und die steht jetzt, auch, wenn allein das Harmonisieren der Handlung nochmal enorm viel Arbeit erfordern wird. Der rote Faden schlängelt sich nämlich noch durch die ersten Kapitel, reißt dann abrupt ab, geht in Blau über, dann fädelt sich vielleicht ein bisschen Gelb, ein bisschen Pink dazu, bis irgendwann, weit nach der Hälfte, aus den Untiefen der Handlungsstränge wieder Rot hervorblitzt. Die Geschichte ist buchstäblich während des Schreibens gewachsen. Und das war viel zu schön, als dass ich den Charakteren die Entwicklung verweigern oder ihre Ideen beiseite wischen wollte, nur, weil ich das ursprünglich vielleicht anders geplant hatte. Oder weil fünf Kapitel vorher etwas passiert ist, was diese Wendung jetzt absolut unglaubwürdig macht. Nein, dann wird eben eine Notiz zur Überarbeitungsliste hinzugefügt: „Noch einbauen, wie Satya nach dem Kampf mit Colette zurückgekommen ist“, oder so. Und dann kommt ja noch die Überarbeitungsbrille für Rechtschreibung und Grammatik, für den Stil, für Kürzungen…
Erste Amtshandlung der Überarbeitungsphase wird sein, zwei Dokumente zu einem zu verschmelzen. Denn auch der Umfang hat sich mit dem Entstehen der Geschichte gewandelt. Ursprünglich hatte ich eine Trilogie geplant. Doch was im Exposé noch absolut plausibel klang, hat sich beim Schreiben als zu wenig Material herausgestellt. Vielleicht lag es auch daran, dass auch ich als Schreibende in der Zeit gewachsen bin. Ein bisschen gruselt es mich davor, mich ganz nach vorne an den Anfang zurückzuwagen. Denn nach Abschluss des Manuskripts für den ersten Teil und einer ersten Überarbeitungsrunde, habe ich schließlich mit dem zweiten Teil begonnen. Und direkt gemerkt, dass es inzwischen besser fließt. Die Handlung ging viel flotter voran, die Ereignisse kamen dichter und spannender, trotz meiner geliebten malerischen Ausschweifungen zwischendurch (nur ein paar, versprochen). Und somit habe ich jetzt zwei Teile anstatt der geplanten drei. Und da aus den insgesamt 787 Seiten nach der Überarbeitung, inklusive der gefürchteten, aber unvermeidbaren Kürzungen, höchstwahrscheinlich noch sehr viel weniger werden, habe ich mich entschieden, die Geschichte in einem Gesamtmanuskript zusammenzuführen. Das ist dann auch eine gute Basis für die Überarbeitung, denn auch in der Rohfassung des ersten Teils gibt es jetzt, nachdem die Geschichte zu ihrem Ende gefunden hat, noch so einiges anzupassen. Nicht nur, was die Handlung betrifft – auch am Schreibstil werde ich noch gut zu feilen haben (lächeln und weinen lassen grüßen). Sobald ich mich traue, die ersten Kapitel zu öffnen.
Und dann: Mal schauen. Vielleicht wird ein dickes Buch draus, oder eine Dilogie. Oder, auch das dürfte kein größeres Problem darstellen, ich fülle noch ein wenig Handlung und ein paar Spannungsbögen zwischen die Seiten, und es wird doch eine Trilogie. Diese Entscheidung würde ich dann gern einer Fachperson überlassen, sobald ich eine Literaturagentur gefunden habe, die an die Geschichte, und an mich, glaubt.
Jedenfalls freue ich mich. Nein, es fühlt sich nicht nach Ende an. Ich mag das Überarbeiten. Und ich freue mich darauf, aus diesem Stoff das Beste rauszuholen, was ich hervorbringen kann.

