Kennt ihr noch Lokalisten? SchülerVZ? Wie viel Zeit ich doch auf diesen Plattformen verbracht habe… Immer in der Annahme, das braucht es, um dazuzugehören. Dann kam Facebook und damit endgültig das neue Lebensgefühl: Ohne das geht es nun wirklich nicht mehr. Überraschung, stellte sich ein paar Jahre später heraus, es geht doch. Und nun Instagram, die einzige Social Media Plattform, auf der ich aktuell einigermaßen aktiv bin. Oder zumindest versuche, es zu sein.
Über die Feiertage hat mir eine dringend benötigte Instagram-Pause gezeigt, dass auch das nicht lebensnotwendig ist. Es ging sogar recht gut. Bis ich dann festgestellt habe, dass ich mich nicht für immer in dieser abgeschotteten Offline-Welt verstecken kann. Privat nutze ich Instagram nämlich vor allem, um mich über das aktuelle Geschehen auf dem Laufenden zu halten – in großen weiten, sowie ganz kleinen persönlichen Welten.
Social Media zu konsumieren ist ein eigenes Thema (und ein komplexes noch dazu). Eine ganz andere Sache ist es, aktive Mitstreiterin zu sein. Sich der Willkür dem hinzugeben, dessen Name nicht genannt werden darf. Pfui, Algorithmus, bei der bloßen Erwähnung schlottern jeder angehenden Influencerin die Knie. Mir doch egal, dachte ich mir. Ich möchte ja nur eine winzige Ecke dieser riesigen, sich rasend schnell verändernden Welt beanspruchen, um in Ruhe über mein Schreiben zu sprechen. Und mich mit diesem sogenannten Bookstagram zu vernetzen. Oder zumindest einem sehr selektierten Teil davon. Und das ist gelungen, die Onlinebuchbubble gibt mir immer wieder das Vertrauen, nicht alleine mit meinen Schreibthemen zu sein. Zudem war da aber auch das Bedürfnis, mich als Schreibende Realität werden zu lassen (daher auch mein Profilname – fake it till you make it?). Und auch wenn meine Community klein ist, liebe ich sie – es ist wahnsinnig schön, das Interesse der Menschen zu spüren, die mir geduldig auf diesem Weg folgen. Auch, wenn die Peitsche des Algorithmus – weg von langweiligen Posts, wen interessiert schon Text? Wir wollen catchy Reels! – alles gibt, um jegliche Motivation für regelmäßigen Content im Keim zu ersticken. Manchmal wünsche ich mir, etwas von der naiven Mentalität, „die Neue hier“ zu sein, wäre noch da. Inzwischen ist mein eigener Anspruch gewachsen, auch wenn meine Zuhörer*innen doch nur wissen wollen, wie es mit dem Roman vorwärtsgeht.
Der Zauber des Anfangs ist verflogen und einer Ernsthaftigkeit gewichen, die zuweilen Angst machen kann.
Und dennoch. Irgendwie bin ich doch da, und ihr seid es auch, und es ist schön, dabei sein zu dürfen.

Bis man es nicht mehr ist. Denn wer weiß schon, was kommt? Ich bin sehr weit davon entfernt, eine Existenz auf den wackeligen Beinen der Sozialen Medien aufgebaut zu haben. Aber selbst ich muss zugeben, die jüngsten Entwicklungen rund um das kleine blaue Vögelchen beunruhigend zu finden. Im Sinne einer neutralen Beobachterin, die Twitter ungefähr einmal alle zwei Monate öffnet. Aber es lässt mich hinterfragen, wie viel Zeit und Energie ich in Instagram-Captions gesteckt habe – die mit einer willkürlichen Entscheidung im Silicon Valley auch ganz schnell einfach verschwunden sein können. Auch daher nun meine eigene Website, mein eigener Blog (ohne Zeichenlimit), meine eigene Verantwortung. Schön, dass ihr es hierher geschafft habt! Aber natürlich findet auch dieser Blogpost online statt. Vielleicht ist das die Magie des gedruckten Wortes. Vielleicht finde ich erst Ruhe, vergeht die Angst vor der digitalen Vergänglichkeit erst, wenn es tatsächlich eine meiner Geschichten auf echtes Papier geschafft hat.
Das alles ist eine sehr unvollständige Betrachtung meiner Gedanken zu Social Media. Da bin ich noch gar nicht darauf eingegangen, dass Instagram ohnehin nicht die ideale Plattform für eine Kunst ist, bei der Worte im Mittelpunkt stehen. Wenn ihr für euch irgendeine Art von goldenem Mittelweg gefunden habt, balancierend zwischen Verbundenheit und Unabhängigkeit, lasst mir gerne einen Kommentar da.

