Früher dachte ich immer, Schriftsteller müssen selbst wahnsinnig intellektuell sein. Schon als Kind lieber Reclam lesen anstatt wilder Geschichten über Drachen und Zauberer. Bei mir vergingen 25 Jahre bis ich das erste Mal einen Text von Kafka gelesen habe. Das mag daran liegen, dass die Literaturklassiker im Lehrplan der Realschule eher stiefmütterlich behandelt werden. Was den Deutschunterricht angeht kann ich mich eigentlich nur an Effi Briest erinnern. Vielleicht ist das auch gut so – wer weiß, ob mich so ein „Verwandlungstrauma“ in meinem Weg so unbedingt bestärkt hätte.
Irgendwann habe ich mir aber selbst deswegen ziemlichen Druck gemacht. „Wenn du schreiben willst, solltest du dann nicht ein Faible für die Werke der großen Schriftsteller haben?“ Ich kam mir wahnsinnig ungebildet vor. Und noch schlimmer: Als ich anfing, mich damit zu beschäftigen, fand ich einiges davon tatsächlich recht schwer lesbar.
Mittlerweile sehe ich das Ganze etwas entspannter. Ich lese gerne immer mal wieder eine Geschichte von Kafka, meistens ist mir aber eher nach leichterer Unterhaltung. Und das ist in Ordnung.
Immerhin habe ich auf diesem Weg meine Liebe zu Jane Austen entdeckt und herausgefunden, dass ich die ausschweifende Dramatik von Lew Tolstoi mag. Emily Brontë dagegen nicht so. Effi Briest habe ich sogar ein zweites Mal gelesen (wenn auch nicht ganz freiwillig).
Welche Klassiker muss man deiner Meinung nach unbedingt gelesen haben – und welche davon sind tatsächlich schön zu lesen?

